Anfang September kann es für eine Hochtour schon recht spät sein. Am Wochenende davor hat es bis auf 2500 Meter herunter geschneit und als Wolfi, Gerald und ich am Mittwoch nach dem eineinhalbstündigen und leichtem, weil gepäcksbefreitem Zustieg auf der Essener und Rostock Hütte ankommen, sehen wir rundherum viel weiss. Nach dem wir unsere Rucksäcke aus der Matrialseilbahn geholt haben geht es noch auf das Rostocker Eck. Das tosende Rauschen des Wasser ist ein ständiger Begleiter um die Hütte und erst auf den Gipfelgrat wird es zu einem leisen Murmeln. Der Weg hinauf aufs Eck ist so eine audible Reise den in den tiefen Wolken ist nicht viel zu sehen. Die Wolken reissen auch oben nicht so ganz auf, dazwischen zeigen sich aber immer wieder ein paar Berge, Gletscher und Felsen. Die ersten Blicke sind beeindruckend, die schroffen Felsen, das bizarre Eis rundherum und die Tiefblicke in die zerfurchte Gletscherlandschaft mit endlichen Schutt- und Schotterhalden sind gewaltig. Der Abstieg erfolgt über die Aufstiegsroute und meandriert über die steile Flanke hinunter. Wir schauen hinunter auf den Almwellness des Simonisees und schon der erste Abend auf der Hütte wird ein bißchen länger als gedacht.








Am zweite Tag starten wir um acht ins Tal hinein Richtung Grosser Geiger. Die Rucksäcke sind mit der vollen Hochtourenausrüstung schwer und der Weg aus dem Talboden hinauf zum Gletscher führt fast weglos durch gewaltige Geröllmassen, abgeschliffene Granitplatten und viel Wasser. Ach ja und da liegt Neuschnee, zwischen den Steinen, auf den Platten und auf dem Altschnee der mit der Höhe immer größere Felder bildet. Nach drei Stunden stehen wir am Gletscher und suchen den Weg hinauf zum Gipfelaufbau. Der Rucksack ist jetzt leichter. Helm, Klettergurt, Steigeisen, Seil, … haben wir angelegt und eingebunden. Trotzdem wird es nicht leichter, denn die Neuschneeauflage macht das Gehen am Gletscher zu einen hochkonzentrierten Angelegenheit und mit jedem Höhenmeter wird die Schneehöhe und damit Intensität des Stapfens grösser. Knapp unter dreitausend Meter übernimmt Gerald die Führung von Wolfgang und nach fünf Stunden haben wir den Gipfelaufbau erreicht. Der Klettereinstieg ist herausfordernt weil steil und brüchig, dann wird der Weg zum Gipfel leichter, denn über den Schnee geht es die steile Flanke hinauf. Die Rast haben wir schon vor dem Gipfelaufbau gemacht so geniessen wir das Panorama und den ersten Spannungsabfall nach dem emotional herauffordernden Aufstieg. Der Grossvenediger im Nordosten, das Obersulzenbachkees bis hinunter zur türkischen Zeltstadt, nur der Grossglockner bleibt heute hinter den Wolken versteckt. Der Abstieg ist dann deutlichen einfacher und schneller. Am Gletscher haben wir unsere sichere Spur und die entdeckten Spalten sind eben schon gefunden. Nach zehneinhalb Stunden sind wir wieder auf der Hütte. Ich bin die letzten Meter barfuss gegangen, weil ich mir die schmerzenden Füsse wegen der ungewohnt engen Schuhe, unbedingt in das eiskalte Bachwasser stecken wollte. Das Essen und der Gerstensaft schmecken sehr gut und der Abend endet nach der Hüttenruhe die hier nicht um zehn ist.































Am dritten Tag wollen wir auf die östlilche Simonispitze. Der Weg hinauf ist diesmal kürzer dafür steigt er schon nach zwanzig Minuten nach der Hütte steil den Grasberg im Nordwesten hinauf. Perfekt schlängelt sich der Pfad hinauf und von Anfang an ist es warm und die Wolken verziehen sich mehr und mehr. Diesmal führt uns ein Weg bis zum Gletscherfeld vor den Felsen. Auch diesmal haben wir die gesamten Hochtourenausrüstung mit und am Weg überlegen wir mehrfach ob wir nicht das schwere Zeug liegen lassen. Aber es kommt alles mit und so stapfen wir wieder am Gletscher, diesmal ohne Seil, weil der Teil des Gletschers völlig spaltenfrei ist. Die logische Kletterlinie macht durch den Neuschnee, der auf den flachen Bänkerls, die durch den Felsen hinaufführen, liegt, keinen sicheren und guten Eindruck. So wenden wir uns weiter Richtung Norden und suchen einen geiegnete Kletterstelle, an der wir auch trotz Randkluft gut zum Felsen kommen. Nach hundert Meter drehen wir um weil die Flanken zu steil und die Neuschneeauflage immer weicher wird. Am Rückweg inspizieren wir weitere Varianten, aber alles was gut zum Steigen aussieht ist mit Neuschnee bedeckt und der Rest zu steil oder zu brüchig. Wir überlegen hin und denken her entscheiden uns dann für den Abbrucht und machen uns nach einer Jause und Rast auf den Weg ins Tal. Auf dem Weg nach unten begünstigen wir auf über 200 Höhenmeter die Schneeschmelze indem wir uns die Kugeln zuschmeissen. Auf einem herrlichen Platzerl am Grasberg rasten wir nochmal und ich halte meine schmerzenden Zehen in die warmen Tümpel.
























Nachdem am Ende der Tour noch Energie übrig ist versuchen wir uns an den Kletterrouten gleich vor der Hütte und haben unseren Spass an den Reibungsklettereine im Granit. Gewöhnungsbdrüftig sind die Routen allemal und beim nächsten Aufenthalt auf der Essener Rostock Hütte müssen die Kletterpatschen ins Gepäck. Der Hütten-Abend dauert dann bis in die Nacht weil um den Stammtisch eine Völkerverständigung zwischen innerösterreichischen Kulturen und der deutschen Diversizität passiert. Der stuttgarter Anwalt, dessen Sohn auf der Hütte ferial jobt, die Osttiroler Viehhirtin, die im Winter Finanzbuchhalterin ist, reden da mit bekannten Oststeirern und Zillertaler Baupolieren die zum Mineraliensammlen sind. Ich mache die Probezeit für die Wintersaison, wenn die Hütte dann voll ist. In der Früh können sich nicht mehr alle an die Zahl erinnern die auf ihrer Hand steht und das aufstehen fällt schwer.




Zu guter Letzt wollen wir noch auf den Happ, den südlichen, weil der grosse Happ soll ein Schuthaufen sein. Die ersten eineinhalb Stunden hinauf zum Türmljoch ist für einige von uns, wegen der Altlasten von gestern und den mitleriweile vielen Höhenmetern in den Beinen recht mühsam. Der Aufstieg bis zum Grat ist einfach und dann geht es einige Meter ausgesetzt und in einfacher Kletterei hinauf zum Gipfel. Der Ausblick von dieser Seite des Tals ist besonderns beeindruckend und wie gestern reicht der Blick vom Grossglockner bis zu den Dolomiten. Am Abstieg helfen wir dem Senner noch mit dem treiben seiner Kühe.













Der Abstieg von der Essener Rostock Hütte wird dann mit leichtem Gepäck zum Downhill-Trailrun. Ab der Materialseilbahn wird es deutlich langsamer.


Fazit aus dem viertägigen Bergsteigen über dem Virgental mit 4500 Höhenmetern Anstieg, 42 Kilometern in 28 Stunden Gehzeit und mehr als 100.000 Schritten ist die Erkenntnis, das viele Berge im Winter lohnender und genussreicher sind als im Sommer und Herbst. Es braucht eine gute Auswahl der Ziele, den verwöhnt vom Winterbergsteigen sind Auf- und Abfahrten einfach feiner mit Skiern, als zu Fuß. Beeindruckend ist die ausgeapperte Landschaft auf jeden Fall aber für den Sommer und Herbst sind mir Berge mit höherem Kletteranteil lieber, die im Winter nicht so einfach zu besteigen sind. DieTouren waren trotzdem sehr fein und beim gehen stellt sich der Fluss ein auch wenn es wesentlich mehr Aufmerksamkeit auf Weg und Steigen braucht, gerade wenn man mit wenig Gepäck unterwegs ist. Wolfgang und Gerald gilt ein grosser Dank für die gemeinsame Erfahrung und die gemeinsamen Entscheidungsprozesse. Das gibt viel Vertrauen, Sicherheit und das Gefühl der Verbundenheit mit und ohne Seil. Ich erlebe uns immer wieder als sehr zusammengespieltes Team am Berg! DANKE
