2025_10_04-11_Sailors are more relaxed Törn

Seit 2017 bin ich beim more relaxed Segeltörn dabei und heuer das dritte Mal in der Rolle des Skippers. Wir sind wieder eine wunderbar bunte und feine Gruppe von neun Menschen geworden, die von 4. bis 11. Oktober ihre Nase in die Sonne, die Ohren in den Wind und Füße über und ins Meer bewegen. Diesmal sind wir auf einer Dufour 53.5 von der Marina Agana aus unterwegs. Das Schiff ist auf den ersten Blick, mit den bisherigen More 55 nicht zu vergleichen, weil es deutlich mehr Aspekte einer segelnden Badeplattform mitbringt als die More. Im Segelbetrieb macht sich die höhere Rumpfform aber kaum negativ bemerkbar. Innen ist es deshalb aber deutlich mehr Platz und somit bequemer als auf der deutlich flacheren More. Die Segelgeschwindigkeiten liegen etwas unter der More, aber ab 15 Knoten Wind sind wir auf der Kreuz meist mit 8 Knoten unterwegs. Leider steht kein Genacker zur Verfügung, was bei den Verhältnissen aber kaum aufgefallen ist, weil wir fast nur auf Kreuz- und Amwindkursen unterwegs waren.

Der Start am Samstag ist etwas holprig, erst warten wir ewig auf die Bootsübernahme der Chlarissa, obwohl sie fertig ist. Dann ist das Großfall falsch angeschlagen und das Lazybag weit nach vorne gerutscht. Bis wir endlich fertig sind, ist es dunkel. Wir laufen trotzdem aus, um die erste Nacht in einer Bucht zu verbringen und Lorenz segelt uns nach Mali Dvrenik.

Der Start in den Sonntag ist gemütlich. Ausschlafen, Frühstück, … aber es wird nass, (etwas) stürmisch und die Welle ist selbst nördlich von Solta deutlich höher als erwartet. Wir binden das dritte Reffe ein, verkleinern auch die Genua entsprechend. So segeln wir mit einigen Wenden bei gut 30 Knoten Jugo und ordendlicher Welle drei Stunden bis wir zur Schonung der Frauschaft die Segel einholen und Rogac anlaufen, das wir nach 40 Minuten Motorfahrt erreichen. Dort machen wir eine ausgiebige Pause. Geschützt vor Wind und Welle trocknen wir uns, Elke kocht ein herrliches Chili sin Carne, das nicht alle genießen und so entspannt wie möglich geht es weiter auf die Südseite von Brac in die Bucht von Lucice an eine Boje. Der Weg dorthin ist erst auf der geschützten Nordseite von Solta recht ruhig, aber als wir durch die Meerenge von Razanj fahren erfassen uns die kabeligen Wellen des Jugos und das Schaukeln und Schlingern ist für die schon angeschlagenen nicht gerade angenehm. In der Bucht verbringen wir eine ruhige Nacht und der nächste Morgen weckt uns sonnig und mit angenehmer Temperatur im Wasser und der Luft.

Das nächste Ziel ist die Insel Hvar. Herrliches Segelwetter animiert zum Segeln, aber zuerst braucht es ein gutes stärkendes Frühstück, Zeit zum Schwimmen, Entspannen und Erholen von den anstrengenden Stunden im Sturm. Gegen Mittag geht es dann aufs Meer hinaus und die 12 Seemeilen segeln wir in etwas mehr als einer Stunde. Mittlerweile sind alle wieder so fit, dass wir ein paar Ehrenrunden drehen und am Wind noch einige Meilen vor Hvar segeln. Mittlerweile haben wir uns an die schwer laufenden Reffs gewöhnt und es macht richtig Freude bei wenig Welle und gleichmäßigen Wind dahinzufahren. Dann laufen wir in die Uvala Zavala und ankern in der „LIeblings-Liebesbucht“ von Marie-Theres und mir. Wir verbringen einen feinen Abend, Lorenz läuft die Halbinsel ab, Elke, Sandra und Gabi machen einen Landspaziergang und alle Schwimmen und genießen die herrliche türkisblaue Bucht.

Weiterhin haben wir gut segelbare Bora mit bis zu 20 Knoten Wind und so setzen wir am Dienstag bereits gegen 10 Uhr Segel Richtung Vis. Durch den Kanal kreuzen wir noch mit Reff zwei (Reff eins ist nicht vorhanden), dann geht es mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von fast 8 Knoten am Wind und vor dem Wind nach Vis. Es sind viele Segler*innen unterwegs. Erst als wir die Inseln vor Sv. Klementi passieren wird der Bootsverkehr weniger und wir drehen vor den Wind und surfen die Wellen hinunter nach Vis. Die Fahrt ist wieder kurzweilig und gegen 2 Uhr Nachmittags setzten wir Anker vor dem Strand Srebrena auf der Südseite von Vis. Nach dem Schwimmen machen wir noch einen Ausflug mit dem Dingi und entdecken einen kleinen Bunker in der Nachbarbucht. Der herrliche Auflauf und der Salat schmecken wieder allen und das besonders gut. In der Nacht schlafen alle ruhig, auch wenn der Wind immer wieder mit 15 Knoten in die Bucht schlägt. Unser Anker ist mit 2000 RPM eingefahren und hält wieder problemlos.

Der erwartet letzten guten Segelwind lässt uns früher aus den Kojen kriechen wie bisher und nach den Morgenritualen geht es um 9:30 Uhr schon hinaus zum Segeln. Jacqui steuert die Südseite von Vis entlang und ohne Welle geht es bei den 20 Knoten Wind im Reff 2 zügig dahin. Als wir Komiza passieren und Vis die Bora nicht mehr abdeckt wechseln wir wieder auf Reff 3 und verkleinern die Genua. Trotzdem wird es nass, weil die Wellen immer wieder über das komplette Boot spritzen. Wir haben einen Menge Spass und segeln einige Wenden, bis wir auf dem Steuerbordbug die 15 Meilen nach Solta segeln. Fast alle stehen am Steuer und genießen den Wind und den Ritt über die Wellen. Dazwischen kreuzen noch Delphine unseren Kurs und immer lacht die Sonne. Die letzte Wende des Tages inklusive den dazugehörigen Schlag, diesmal auf dem Backbordbug, fährt Lorenz. Wir steuern die Bucht von Sesula an. Dort verbringen wir den Abend in Restaurant Sismis. Es wird Fisch genossen, Marie-Theres und ich essen gute Beilagen. Die Nacht hängt das Boot an der Boje des Restaurants.

Der Donnerstag ist Badetag. Aufgrund von Windmangel genießen wir die Sonne in der kleinen Bucht Pogenica keine 5 Meilen von Sesula entfernt. Mit Schwimmen, Schnorcheln, Kochen, Essen, Lesen, Sonnen und mehr vergeht der Tag entspannt. Die Nacht ist wieder ruhig und voller Sterne und dem langsam abnehmenden Vollmond.

Eigendlich war der Freitag auch wieder ohne Wind geplant. Wir starten den Motor, um den Tank in Rogac aufzufüllen. An der Tankstelle müssen wir wegen der Mittagspause eineinhalb Stunden warten, also fahren wir zum Baden in die Nachbarbucht. Inzwischen kommt Wind auf und wir wollen uns nicht ewig anstellen, also setzen wir Segel und segeln zum Tanken nach Trogir. Der Wind ist herrlich und diesmal machen wir ohne Reff ordendlich Fahrt. Das Tankmanöver bei gut 15 Knoten Wind und mit Heckanleger wird etwas chaotisch, aber klappt ohne Havarie. Dann geht es für die letzte Nacht dem Sonnenuntergang entgegen auf die Südostseite von Dvrenik Veliki in die Bucht Kokolinje.

Vor Sonnenaufgang starten wir am Samstag zurück in die Marina Agana. Den Sonnenaufgang genießen wir noch am Wasser. Dann übergeben wir das Boot mit einer Mangelliste. Es sind doch einige „Kleinigkeiten“ während des Törns wieder defekt geworden, die vorher schon repariert waren: die Travelerschot hat sich eingefressen und der Traveler deshalb unbrauchbar, die Abdeckung über dem Anker hat sich gelöst, die Bimini ist an Deck ausgerissen, das Lazybag ist wieder nach vorne gerutscht und blockiert teilweise die Reffs und die Großschot, die Besteckschublade ist gebrochen, … Das alles spricht nicht unbedingt für die Qualität der Mechaniker bei Sunsail, der Charterfirma, bzw. Mooring der Servicefirma der Marina.

Insgesamt war es wieder ein wunderbarer Segeltörn mit sehr feinen Menschen, gutem Essen, guten Gesprächen und lässigen Segelstunden am Wasser. Es hat sich gezeigt, dass der Start mit moderatem Wind und diesen von achtern deutlich angenehmer für Mensch und Magen wäre, also gleich in ein Sturmtief einzufahren. Das nächste Mal ist es angebracht, den Sturmtag abzuwettern und dann mit dem Segeln zu starten. Ist die Frau- und Mannschaft dann eingeschwungen sind Wind und Wellen vielmehr Spassfaktor und es segelt sich deutlich lustvoller auch bei ordentlicher Welle, wie der Ritt von Vis nach Solta gezeigt hat! Natürlich tut der Sonnenschein bei einer solchen Überfahrt auch das seine zum Wohlbefinden.

Die Dufour 53.5 ist durchaus ein lässiges Boot, das sich schnell und sicher segeln lässt, auch wenn es auf den ersten Eindruck nicht ganz so ausgesehen hat. Tages-Durschnittsgeschwindigkeiten von fast 8 Knoten hatten wir die letzten Jahre auf der More selten. Aber das liegt vielleicht aus dran, dass die Ankermanöver um so viel sicherer und schneller geworden sind ;-). Insgesamt sind wir diesen Törn über 180 Seemeilen in 35 Stunden gesegelt, sind 40 Wenden und 11 Halsen gesegelt und nur zwei Manöverschlucke genommen.

Ich genieße diese Törns sehr. Gemeinsam mit Michael fühle ich mich immer auf der sicheren Seite und kann auch mal loslassen und abgeben. Die vielen Stunden hinter dem Steuer(nden) mit Blick nach vorne sind voller Freude am Segeln und zu erleben wie Manöver nach und nach sicherer werden, wie das Kurshalten und antizipieren von Wind und Welle wächst ist ein erhebendes Gefühl. Selbst am Steuer zu stehen und den Ruderdruck zu spüren, bis zur Erschöpfung an der Winsch zu kurbeln und an der Segelstellungen zu probieren erfüllt mich mit viel Freude. Ich freue mich auf jeden Fall auf mehr Segeln wie dem Naturfreunde Segeln im Mai 2026 und jetzt im Herbst dem S-Cup.

Cole, Jacqui, Lorenz, Elke, Sandra, Gabi, Michael und Marie-Theres: Danke für die wunderbare Zeit!

zur Route und dein einzelnen Tagesstrecken geht es in die Wolke!

vor 4 Monaten

2 Kommentare

  1. Lieber Christian!
    Liebe Marie-Theres!
    Was für ein wunderbarer Bericht unserer noch viel wunderbareren Woche! Danke auch Euch und auch Co-Skipper Michael und allen anderen. Genauso so von Euch angeleitet, macht Segeln Spaß! Ich freue mich auf das nächste Mal!
    Liebe Grüße
    Gabi

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