Lange geplant und mit einem Zeitfenster von einer Woche waren die Skitourentage in den Julischen recht grosszügig angesetzt. Das Wetter Anfang der Woche war mit Neuschnee vorausgesagt. Also haben wir die Tour in die Kaiserinnenwetterzone verschoben.
Ben und ich sind am erst Donnerstag in Graz gestartet und zu Mittag ging es im verschneiten Krma Tal los. Unser Parkplatz war einige Kilometer vor unserem geplanten (letzten) Parkplatz, weil die tiefe Spurrillen und der frische Schnee eine Weiterfahrt verunmöglichten. Die ersten drei Stunden stiegen wir im Talboden hinauf und dann verengte sich das Tal. Nach Norden stieg es steil zum Triglav hin und wir orientierten uns Richtung Westen zum Bojinska Vratca, der Scharte die uns zum ersten Winterraum in der Vodnikov Dom bringen sollte. Der Anstieg war im Gegensatz zu dem auf den Trigalv unverspurt. Mit den 15 Kilo Gepäck, dem jetzt steiler werdenden Anstieg und dem Neuschnee, der auf der Nordseite noch perfekt konserviert war, wurde der Anstieg auf die 1986 Meter hohe Scharte ganz schön anstrengend. Wegen dem Triebschnee orientierten wir uns auf die verharschte Südseite und kraxelten die letzten Meter wieder mal mit den Skiern am Rücken hinauf. Der erste Blick hinaus auf die Julischen Alpen war beeindruckend und überwältigend. Die Abfahrt hinunter zu Hütte hingegen gestaltete sich im Plattenpulver übel. Der schwere Rucksack erschwert das Abfahren enorm und bremst das Vergnügen. Die erste Nacht war kalt aber ok. Ich hatte meine Ersatzsocken im Auto ausgestreut, was mir anfänglich feuchte Füße bescherte und nach vier Tagen mehr Geruch anlegte als geplant.




















Am zweiten Tag ging es von Vodnikov Dom durch Veljo Polje die Velska Dolinas hinauf zur Hribarice-Scharte südöstlich des Zob Kanjavec zum Kanjavec. Eine wesentliche Erkenntnis verfestigte sich an diesem Tag, nämlich, dass die Hangneigungskarte des Alpenvereinaktiv in Slowenien teilweise bis zu zehn Grad unter den gemessenen und tatsächlichen Neigungen liegt. Eine Tatsache die bei Neuschnee sicherheitstechnisch einiges unmöglich macht, was vielleicht gut geplant war. Am Fuß des Kanjavec legten wir ein Materialdepot an und „flogen“ um viele Kilo erleichtert dem Gipfel entgegen. Oben war es „GEWALTIG“: kein Wind, eine Fernsicht vom Glockner bis zum Mittelmeer und rundherum steil ins Tal, … Wir wählten die südwestliche Abfahrtspur, die noch guten Firn und Abfahrtsspaß boten. Bei der weitere Abfahrt hinunter zur Prehodavci wurde der Schnee dann immer tiefer und diesmal kamen wir in der Nachmittagssonne bei der Schutzhütte an. Noch in der Sonne kochten wir, sammelten das Wasser aus den Schmelzpfützen, weil wir Gas sparen wollten und trockneten Socken, Leiberl und entspannten. Zum wieder einfach gutem Essen gab es das letzte Bier (danke Ben!). Bis zum Abend füllte sich die Hütte ganz gut, geschlafen haben wir trotzdem gut ;-)



































Am dritten Tag ging es dann zum Triglav Dom. Die geplante Route über die Südflanke mit einem Zwischenstop auf der unbewirtschafteten Planika Dom Hütte haben wir aufgrund der Sonne und Wärme und dem Umstand, dass sie ungespurt war verworfen. Deshalb sind wir die Route des Vortages wieder aufgestiegen und abgefahren und hatten so ein paar Höhenmeter mehr Abfahrt ins Velo Polje. Der Aufstieg hinauf zum Konjsko Sedlo führt durch sehr steiles Gelände, von unten ist der Weg durch die Latschen und Felsen kaum zu sehen. Der letzte Teil trugen wir die Ski wieder am Ruchsack und waren heilfroh oben auf der Hochfläche gelandet zu sein. Eigendlich wollten wir nicht direkt zum Triglav Dom aber auch der Weg hinauf zum Planika Dom war unverspurt und so folgten wir dem östlichsten Skispuren und waren einigermaßen überrascht als wir gegen vier Uhr vor dem Massenansturm bei der Hütte am Triglav standen. Der Aufstieg führte durch eine unverspurte Firnflanke etwas südöstlich der Normalroute in der wir die Kolonnen hinauf zum Triglav-Haus sehen konnten. Oben kochten wir wieder ein Supperl, tranken das höchste Bier der Tage und genossen noch den Ausblick von der Kredarica. Dann ging es in einen „Doppelzimmer-Kühlschrank“

























Am vierten und letzten Tag versuchten wir noch mit Steigeisen und Pickel den Triglav und stiegen die ersten hundert Höhenmeter am Klettersteig auf. An der einer Flanke, in der das Stahlseil eingeschneit und die ersten Felsen zu überwinden waren, kehrten wir um. Zu ungewohnt, zu unsicher das Gehen mit Steigeisen am Feld, zu Unklar ob der Pickel im dünnen Eis hält oder nicht. Nach dem Abstieg zurück zur Hütte packten wir um und fuhren über die gestrige Aufstiegsspur durch die 38 Grad steile und noch immer unverspurte Flanke hinunter Richtung Krma Tal. Nach der zweiten Steilstufe legen wir in der Prgarca (einer weiteren unbewirtschafteten Hütte) noch eine letzte Suppenpause aus, weil unsere Füße von der langen Abfahrt schon ordendlich weich waren. Für ein paar Slowenen gab es noch Kaffee und dann ging es die zweiten 900 Höhenmeter zum Parkplatz. An zwei Stellen war Skitragen angesagt und beim letzten Parkplatz war dann die Skifahrerei zu Ende. Vor dort wurde Ben von den drei Slowenen dann mit hinaus zum Auto genommen, auf den sechs verbleibenden Kilometern war in den vier Tagen der Frühling eingekehrt.


























Kaiserinnenwetter, beste Verhältnisse und viele Erkenntnisse haben wir aus der Vier-Tages-Tour mitgenommen. Schweres Gepäck stärkt den Trainingseffekt und mindert das Abfahrtsvergnügen. Die gemeinsame Zeit war genial, die Einsamkeit und Abgeschiedenheit löst einen Dichte des Da-Seins aus, die besonders ist und Aspekte zwischen Rausch und Angst hervorbringt. Die Reduziertheit in Allem bringt eine Fokusierung mit sich, wie wenig es braucht.
Die Julischen Alpen haben noch mehr Potential. Vom Wocheiner See aus wäre die Runde ein ebenfalls lohnendes Projekt und auch aus dem Trenta-Tal gäbe es Möglichkeiten von Überschreitungen in der Region. Um den Triglav zu besteigen brauchen wir noch mehr Erfahrung mit Pickel und Steigeisen, dann können wir uns mit hunderten Slowenen auf den höchsten Berg unserer südlichen Nachbarinnen stellen ;-)
Danke Ben für die feine Zeit und das Vertrauen!

Danke Christian!
Für deine Offenheit diesem ursprünglich nur als Fantasie existierenden Projekt und die super Energie bei der Planung und Umsetzung!
Und fürs BeSchreiben.
Ich freue mich auf weitere gemeinsame Abenteuer…
Die Fotos von dir sind super BEN! Oben-Unten echt lässig. Danke für die Superzeit. ;-)