Martin und ich treffen nach der Anreise mit Bus, Bahn und Bim Christian in St. Johann im Pongau und gemeinsam geht es dann auf die Franz Josefs Höhe. Dort wimmelt es von Radfahrer*innen, Motorrädern und Touristen aller Art. Wir genießen noch die herrliche Mohnpotize von Christian, packen in aller Ruhe unsere sieben Zwetschken (siehe bayrisch-österreichische Dialekte) und wandern dann nach einer kleinen Suchrunde durch den Tunnel zur Oberwalderhütte. Der Aufstieg führt landschaftlich eindrucksvoll entlang der Nordseite des Glockners, hoch über dem Pasterzenresten, vorbei am Südlichen Bockkarkees, über ein paar Meter einfachen Klettersteig zur Hütte, die wir gegen 15 Uhr erreichen. Die Energie für einen Aufstieg zu einem der umliegenden Gipfel ist nicht sehr groß, also gehen wir zum Nördlichen Bockkarkees und machen ein paar Basis-Übungen, graben einen T-Anker und bauen eine Seilrolle auf. Dann versteckt sich die Sonne hinter den Wolken, unsere Finger sind in kürzester Zeit von der Nässe und dem Wind kalt und wir flüchten zurück in die Hütte. Nach einem guten Abendessen planen wir die weiteren Tage. Die Auskunft der Bergführer ist nicht sehr aufbauend für den Plan, den wir haben, weil der Zustieg zum Medlezkigrat schwierig und Steinschlaggefährdeter sein soll als ich in der Vorbereitung herausgefunden habe. Der Aufstieg über den Westgrad kommt nicht in Frage, er wäre zu schwierig und zu weit und so entscheiden wir uns für den Normalweg über die Salmhütte. Ich buche noch den Hüttenplatz um …


















… und so geht es am zweiten Tag zurück zur Kaiser Franz Josefs Höhe und mit dem Auto hinunter zur Glocknerhaus. Von dort starten wir gegen 10 Uhr zur Salmhütte. Der Weg führt hinunter zum Speichersee und dann steil hinauf zur Stockerscharte. Eindrucksvoll überquerte der Steig die Scharte und gibt den Blick ins Leitertal frei. Die schroffe graue Felslandschaft ist hier grün und üppig, die Hänge steil und auf der Scharte steigt ein Gänsegeier auf, den wir zuerst für einen Steinadler halten. Vorbei auf der Südseite des Leiterkopfs, des Schwertkopfs und hin zum Schwerteck erreichen wir gegen 13 Uhr die idylische Salmhütte. Nach einer Stärkung steigen Martin und ich noch zum Schwerteck auf. Der Aufstieg entpuppt sich als Kraxlerei in losem Schieferbruch im gut 35 Grad steilen Gelände und nicht einmal beraten wir, ob wir jetzt umdrehen sollten oder weitergehen. Im Endeffekt stehen wir, wie uns die Hüttenwirtin Helga geraten hat, am Vorgipfel auf 3170 Meter und genießen die Aussicht und geschaffen 500 Anstiegsmeter von der Hütte. Den Weg über den brüchigen Grat zum Gipfel lassen wir sein. Wir schnüren unsere Schuhe zu und surfen bis auf 2700 Meter bis zum Grasboden hinunter und haben eine Menge Spass, ganz abgesehen davon, dass der mühsame Aufstieg vergessen ist, weil es so lässig bergab geht. Zum Abendessen gibt es mittelmäßige Krautfleckerl, die später noch geruchlich und akustisch ihren Widerhall im Schlaflager finden und Martin und Christian genießen einen (oder zwei) der besten Enziane der Tour.








































Am dritten Tag in der Glocknergruppe geht es hinauf zur Adlersruhe. Wir starten den etwa dreieinhalb Stunden dauernden Zustieg um acht Uhr. Zuerst geht es gemütlich zum Hohenwartkopf vorbei an den Resten des Gletschers. Wir queren ein kurzes, steiles und rutschiges Toteisfeld hin zum Klettersteig. Von der Scharte, auf der Christian das erste Mal die Ausgesetztheit spürt, geht es über ein weiteres Eisfeld hinauf Richtung Adlersruhe. Die Querung ist nicht ganz ohne, den die Kombination aus Blankeis, Steilheit von etwas über 30 Grad und wenig Erfahrung mit Steigeisen macht vor allem Christian zu schaffen. Die restlilchen 250 Höhenmeter von der Salmhöhe hinauf zur Hütte sind dann eine Schnauferei, weil wir die Höhe spüren, aber im gemütlichen Tempo kein Problem.
Auf der Adlersruhe singen wir Christian ein Geburtstagsständchen zum letzten 40er, rasten und stärken wir uns für den Aufstieg zum Glockner. Bei bestem Wetter und wenigen Bergsteiger*innen geht es nach der Pause hinauf zum Glocknerleitl. Dort lassen wir die Stöcke und Steigeisen und steigen über den Klettersteig die ersten Meter hinauf. Dann wird es feucht, matschig, mit Schnee und Erde. Die Steigeisen wären hier eine feine Alternative, vor allem für den Abstieg. Endlich im Fels steige ich hinauf zum Kleinglockner vor und Christian und Martin kommen die leichte Kletterei hinterher, immer gut gesichert an den Stangensicherungen. Ein paar Gruppen kommen entgegen, aber der Gegenverkehr hält sich sehr in Grenzen. Ein Bergführer warnt uns vor den heranziehenden Wolken, was einiges an Stress verursacht, aber die Wolken, die durchziehen, schränken nur ein paar Minuten die Sicht ein. Vor dem letzten Aufschwung zum Kleinglockner klettern wir sehr luftig am Grat und da ist es für Christian dann zu viel. Exponiert sitzen wir etwa 30 Höhenmeter unterhalb des Gipfels kurz vor der Glocknerscharte und an ein Weitergehen ist nicht zu denken. Wir spielen die möglichen Optionen durch und auch Christian sammelt sich. Die Möglichkeit Christian für etwa eine Stunde hier allen sitzen zu lassen ist mir zu unsicher. Wir entscheiden und für den Rückzug. Ich sichere Martin beim Abstieg und gehe dann mit Christian am kurzen Seil hinunter, um ihm Sicherheit zu geben. Am Einstieg zum Eisleitl seile ich zuerst Christian ab, dann folge ich ihm und zum Schluss kommt Martin nach. Nach dem zweiten Sicherungspunkt folgte eine unangenehme, durch Schneereste, Fels und Erde führende Rinne abwärts. Hier wären die Steigeisen fein gewesen. Zwar ist die Steilheit gering, aber durch die Bedingungen ist sei doch unangenehme. Über den Klettersteig klettern wir dann zurück zum Glocknerleitl und erreichen gut und sicher und noch gut eineinhalb Stunden vor dem Abendessen die Adlersruhe. Dort besprechen wir in Ruhe noch einmal alles nach, lassen einige der vielfältigen Gefühle nochmal durch unsere Herzen rinnen und feiern, dass wir wieder gut gelandet sind, wo wir schon den Hubschrauber fliegen gesehen haben, ich ordentlich gefordert war und für alle Grenzen erlebbar waren. Der Linseneintopf schmeckt herrlich, die Auswirkungen sind ähnlich wie die des Abendessens auf der Salmhütte, jedoch ist diesmal das Lager deutlich voller. Die Nacht wird auch deshalb etwas kürzer und unruhiger, weil der Tag so voll war, um zwei Uhr die ersten aufbrechen und das Frühstück bereits um 5.30 serviert wird.



































Wir gehen den vierten Tag ganz entspannt an und lassen uns am Weg zur Salmhütte Zeit. Die Gletscherquerung nach der Salmhöhe und der Abstieg über den Klettersteig sind problemlos. Am Wanderweg zur Salmhütte stelle ich wieder einmal fest wie wenig ich über Geologie und Gesteine des Glockners weiß und auf der Hütte lassen wir uns den herrlichen Kaiserinnenschmarn nicht entgehen. Christian in Kaffee getunkt, Martin pur und ich mit Apfelmus. Dann geht es in weitere zweieinhalb Stunden die lange Runde zurück zum Glocknerhaus. Dort steigen wir ins Auto, baden am Weg noch in einem der freien Seezugänge im Wörthersee, gleich neben der romantischen Schamandra und so kommen wir frisch gewaschen und zufrieden nach Hause.



























Die Tour war von herrlichem Wetter begleitet und ist doch ganz anders gelaufen als geplant. Für den Aufstieg über den Medletzkigrat braucht es entweder mehr Risikobereitschaft oder eine Zeitrückführung um fast ein Jahrzehnt. Um den Glockner gibt es jedenfalls noch einige lohnenswerte Touren, vom Westgrat bis zum Stüdlgrat, der nach dem Felssturz letzte Woche seit Dienstag wieder offen ist, aber auch die Riffl, der Johannesberg und etwa das Fuscherkar inkl. Scharte sind lohnende Ziele. Einige davon sind sicher mit Bergführer entspannter ;-) was durchaus einmal eine Überlegung wert wäre. Meine Lernerfahrung und Erkenntnisse was das gehen in der Seilschaft, die Achtsamkeit bezüglich der Seilpartner*innen und die Entscheidungen am Berg angeht sind wieder gewachsen und es bleibt wichtig achtsam, wach und offen für das Lernen zu bleiben.
Danke jedenfalls an Martin und Christian für das Vertrauen und für die herrliche Tour auf den höchsten Berg der Alpenrepublik.
